Sonntag, 7. September 2014

Tag 205: Sulęcin - Hohenwutzen, 102 km

Heute früh war es wieder sonnig und warm. Der Fernradweg R1 führte über wirklich einsame asphaltierte Straßen zunächst nach Ośno Lubuskie. Dieser Ort hat mich wirklich überrascht: Einerseits gab es hier 5 Caches, die so nahe am Weg lagen, dass ich sie einfach suchen musste. Vier davon habe ich übrigens gefunden. Andererseits gibt es hier eine ziemlich gut erhaltene Stadtmauer aus dem 15. Jahrhundert mit zwei Wehrtürmen.


Doch damit nicht genug, es gab auch ein wirklich hübsches Rathaus und dahinter eine mächtige Kirche aus dem 13. Jahrhundert. Insgesamt habe ich mich fast eine Stunde in diesem Städtchen aufgehalten.




Auf dem Weg nach Küstrin zur Grenze kam ich am Nationalpark Warthemündung vorbei. Das ist meist Wiesen- und Weideland, aber hier gab es auch einen Aussichtsturm und ich liebe ja bekanntlich Aussichtstürme. Dieser war eigentlich unnötig, denn auch ohne ihn hatte man etwa 35 Kilometer Sicht in die vor einem liegende etwas niedrigere und flache Landschaft. Trotzdem habe ich ihn natürlich bestiegen. Hinterher habe ich mir überlegt, dass er vielleicht für Vögelbeobachter gebaut ist, die gar nicht die Aussicht genießen, sondern in der Nähe von oben die Vögel ansehen wollen.


An der Grenze konnte ich auf der polnischen Seite meine letzten Złotys in Euro umtauschen. Dann ging es über die Oder. Hier hätte eigentlich Jörg auf mich warten wollen, um ein oder zwei Etappen mitzufahren. Leider hat das aus beruflichen Gründen nicht geklappt - es wäre eine sehr schöne Auffrischung unserer Begegnung auf der Nordkaptour 2010 gewesen. Er hat mich aber mit einer SMS in Deutschland begrüßt und wir haben abends virtuell ein Bier zusammen getrunken und kurz telefoniert.


Jetzt war es Zeit für Mittag und ich bin bei einem Imbiss am Oder-Neiße-Radweg eingekehrt. Hier herrscht reger Verkehr von Radwanderern und die abgestellten Fahrräder wirken etwas wie Pferde vor einem Saloon.


Von hier ging es auf ausgezeichneten Radwegen meist auf der Deichkrone aber manchmal auch auf dem Deichverteidigungsweg an der Oder längs. Eine zeitlang bin ich mit einem Ehepaar zusammengefahren und konnte dabei von meiner Tour erzählen.


Danach kam dann noch eine kleine Überraschung: Die Oderbrücke der Wriezener Bahn. Die Brücke wurde im Kriege zerstört und 1955 aus militärstrategischen Gründen wieder aufgebaut. Sie ist aber nie für Züge benutzt worden! Jahrelang war sie gesperrt, auch für Fußgänger. Es gab einige morsche Bohlen, deshalb war es zu gefährlich. Seit diesem Jahr gibt es aber einen Draisinenverkehr über diese Brücke nach Polen!


Ich war sehr versucht, die Draisine auszuprobieren, aber es sah etwas nach Regen aus und deshalb habe ich es gelassen. Es hat dann tatsächlich angefangen zu nieseln und ich war froh, rechtzeitig vor dem stärkeren Regen im Hotel zu sein.

Kommentare:

  1. Lieber Jan,
    seit Deinem Tourstart ist das Lesen Deines Blogs ein fester Bestandteil meines Frühstücks geworden und nun bist Du schon wieder in Deutschland unterwegs, kaum zu glauben! Geniess die letzten Tage auf dem Rad (für diese Tour) und freue Dich auf zu Hause.

    Ich danke Dir schon einmal für interessante, lustige und inspirierende Reiseberichte, es war und ist schön, an Deiner Tour teilhaben zu können.

    Dann tritt noch ordentlich in die Pedale, vielleicht sehen wir uns ja sogar Anfang Oktober in BS? Ich hörte da so etwas...

    Ganz liebe Grüße,
    Mareile

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  2. Hallo Mareile,

    schön von Dir zu hören! Danke für die "Blumen", ich werde die letzten 5 Etappen genießen. Es zieht aber jetzt schon mächtig nach Hause ...

    Liebe Grüße
    Jan

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