Montag, 8. September 2014

Tag 206: Hohenwutzen - Templin, 80 km

Heute früh war es diesig und bedeckt, aber im Laufe des Tages kam die Sonne raus und es gab wieder bestes Fahrradwetter. Ich habe inzwischen den Oder-Neiße-Radweg verlassen und bin auf den Fernradweg "Tour Brandenburg" gewechselt. Der wird immer noch ausgebaut, was auch ganz gut ist. An einigen Stellen gab es nämlich noch Kopfsteinpflaster und Sandwege. Überwiegend waren es aber asphaltierte Wege, die häufig sogar einsam durch den Wald führten.


Ich habe jetzt wieder das Problem, dass keine Lebensmittelläden am Weg liegen. Der einzige Bäcker, den ich in Oderberg gefunden hatte, hatte montags geschlossen.


Also ging es erst einmal ohne Proviant weiter, ich hatte ja noch 1,5 Liter Mineralwasser. Nach knapp 20 Kilometern erreichte ich das Schiffshebewerk Niederfinow. Es überwindet einen Höhenunterschied von 36 Metern im Oder-Havel-Kanal und ist ein geschütztes Industriedenkmal.


Mit 80 Jahren hat das Werk aber nun ein Alter erreicht, wo die Instandhaltung immer aufwändiger wird. Es ist inzwischen auch zu klein geworden, deshalb gibt es einen Neubau gleich nebenan. Das alte Werk finde ich aber erheblich schicker! Zum Glück soll es noch ca. 20 Jahre weiter betrieben werden und dann als Museum stehen bleiben.


Ich habe mit einem Binnenschiffer gesprochen: Das neue Werk ist für ihn eigentlich auch noch zu klein. Hier fahren nämlich viele Schubverbände und die können durchaus ewas länger als 115 Meter sein. Er wird es also weiter wie bisher machen müssen: Die Schubverbände oben auflösen, die Schubeinheiten einzeln runterheben lassen und unten den Verband wieder zusammensetzen. Interessant fand ich, dass die antriebslosen Schubeinheiten von fest installierten Treidelseilen in den Hebetrog und wieder heraus gezogen wurden.


Es gehört offensichtlich einige Geschicklichkeit dazu, dass sich so ein antriebsloses Schubteil nicht querstellt. Unten wartet es dann darauf, dass es wieder angekoppelt wird.


Das alles war so interessant, dass es inzwischen fast Mittag geworden war. Kein Proviant in den Taschen, kein Lebensmittelladen in Sicht, aber 5 Restaurants - da musste ich halt erst einmal eine Rostbratwurst mit Pommes essen. Das war eine gute Entscheidung, denn der nächste Lebensmittelladen kam erst 32 Kilometer später.

Im Wald erlitt ich dann nach langer Zeit mal wieder eine ernsthafte Panne: Das Schaltungsseil für den vorderen Umwerfer war gerissen. Ich hatte zum Glück alles Ersatzmaterial dabei und konnte nach kurzer Pause weiterfahren. Die richtige Mittagspause habe ich dann in der Nähe des Grimnitzer Sees gemacht. Die Waldschänke hat montags eigentlich geschlossen, aber ich hatte Glück: Es fand ein Lehrgang statt, deshalb konnte auch ich etwas essen: Hirschbraten mit Rosenkohl und Semmelknödeln. Lecker!

Ich habe heute eine ganze Reihe von Caches am Wegesrand gefunden, aber der letzte war am interessantesten: Eine rote Kuh.


Ich dachte schon, dass ich den Cache ganz unauffällig an mich genommen hätte, aber der Skulpturenkünstler hat mich "erwischt". Er hat den Cache übrigens nicht selbst gelegt, sondern ein Freund von ihm. Wir haben jedenfalls ein interessantes Gespräch geführt, in dem ich von meiner Reise erzählt habe und er davon, wie er sein Leben als Tierarzt im Rheinland an den Nagel gehängt hatte, um hier Skulpturen zu schaffen. Ich musste die Einladung zum Tee leider ablehnen, weil es sonst zu spät geworden wäre, aber einen Beutel Pflaumen haben wir in seinem Garten gemeinsam gepflückt und die haben mir die letzten Kilometer nach Templin versüßt.


Anmerkungen:
Heute habe ich mich im Edeka-Laden vergriffen: Ich habe zwei 1,5-Liter-Flaschen Cola Light Lemon gekauft! Igitt! In Polen haben die Cola-Zero-Flaschen derzeit häufig gelbe Deckel, wenn sie noch ein Etikett mit Bezug zur WM in Brasilien haben. Deshalb kam mir das nicht verdächtig vor ...

Kommentare:

  1. Hallo Jan,
    das mit der mangelhaften Lebensmittelversorgung war sicherlich blöd für Dich, aber Du hättets gewarnt sein können :-)
    https://www.youtube.com/watch?v=7UkbbDI1950
    Bis Freitag
    Gruß Christian

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  2. Hallo Christian,

    was soll ich dazu noch sagen? Vielleicht: Wenn Du nach Hause willst, musst Du durch Brandenburg!

    Bis Freitag,
    Jan

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